Donnerstag, 27. Oktober 2011

Kommerziell: Fahrenheit 451

Fahrenheit 451

Mitte der 80er Jahre veröffentlichte Telarium eine Reihe von Textadventures nach literarischem Vorbild. Der Science Fiction-Klassiker „Fahrenheit 451“ war eines davon, doch hierbei handelte es sich nicht nur um eine Verarbeitung des Romans für den Heimcomputer, sondern um eine in Kooperation mit dem Autor des Originals, Ray Bradbury (u.a. „Die Mars-Chroniken“), entstandene Fortsetzung.
In seinem früheren Leben, das in der literarischen Vorlage beschrieben wird, war Guy Montag Feuerwehrmann und somit jedoch nicht für das Löschen von Feuer, sondern für das Verbrennen von Büchern zuständig. Denn das Buch wird in dieser Zukunftsvision als unheilbringend angesehen. Es soll den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährden, indem es selbständiges Denken fördert und den Charakter verdirbt. Und wer mit einer Lektüre jedweder Art im Haus oder im Gepäck erwischt wird, macht sich strafbar. Allerdings sind im Untergrund auch einige Gegner dieses Systems tätig, denen sich Guy mittlerweile angeschlossen hat, nachdem er durch die junge Clarisse zum Lesen bekehrt wurde. Und hier beginnt das Textadventure von Telarium: Inzwischen sind seit Guys Flucht aus der von der Feuerwehr bewachten Stadt fünf Jahre vergangen und er hat sich nun vorgenommen eine Sammlung von Mikrofilmen, auf denen der Inhalt diverser Bücher enthalten ist, aus den Fängen besagter Institution und somit vor der Vernichtung zu retten. Der Weg dorthin jedoch ist steinig, da wir von Feuerwehrmännern aufgehalten und von speziell gegen Staatsfeinde eingesetzten Roboterhunden zerfleischt werden können. Deshalb sollte man die Speicherstände unbedingt gut ausnutzen.

Auch insgesamt ist der Schwierigkeitsgrad hoch angesetzt. Ständig müssen wir im Verlauf der Mission unsere Identität ändern und an bestimmten Stellen Literaturzitate aufgreifen, die wir später im Dialog mit anderen Widerstandskämpfern anwenden müssen um ihnen unsere eigentliche Absicht zu signalisieren. Die Beurteilung derart frühzeitlicher Adventures ist in manchen Dingen nur schwer möglich. Gerade zur Grafik möchte ich deswegen nicht viel sagen, da sie selbstverständlich inzwischen deutlich „out to date“ ist. Jedenfalls haben die Bilder in „Fahrenheit 451“ trotz ihres Alters eine düstere und befremdliche Wirkung auf mich und sind zudem nicht allzu arm an Details. Außerdem kommt das Spiel mit ausreichend Soundeffekten und Zwischentönen daher, sowie einer eigenen Titelmusik, welche die Atmosphäre von „Fahrenheit 451“ gut unterstreicht.

Für den klassischen Fan von SF- und Bradbury-Werken ist der Konsum dieses Textadventures eigentlich ein Muss, da es eine optimale Ergänzung zum Roman (wohlbemerkt einem meiner Lieblingsromane!) darstellt und die Beteiligung des SF-Autors schon an der hohen Qualität der Beschreibungen erkennbar ist. Telarium präsentiert uns mit „Fahrenheit 451“ eine spannende Fortsetzung auf belletristischem Niveau, die es auch heute noch wert ist gespielt zu werden.

System: C64, DOS, Atari ST, MSX2, Mac OS, Apple II (Quelle: Wikipedia)
Produzent: Telarium
Jahr: 1984

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