Samstag, 29. August 2015

Kommerziell: Home is Where One Starts...

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Home is Where One Starts..."?
Genre: Exploration, Interactive Storytelling
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: David Wehle
Sprache: Englisch
Jahr: 2015
Download: Steam --- itch.io

Ein Zuhause, in das man Freunde einladen möchte? Vermutlich eher nicht!

Story und Schauplatz
Neiderfüllt beäugt ein kleines Mädchen die gefiederten Wesen, die sich sorglos in sämtliche Himmelsrichtungen verstreuen. Gerne würde sie auch von dieser wunderbaren Freiheit kosten, doch leider ist ihr dieses Glück nicht vergönnt. Daher muss sie an diesem trostlosen Ort ausharren, bis der nächste Schulbus heranfährt, um sie aus der unleidlichen Situation zu erlösen. Den ersten hat sie jedenfalls versäumt und so beschließt sie, zunächst etwas umherzustreifen und diese Gegend zu erkunden, die sie ihr Zuhause nennt. Inzwischen ist dieses Kind zu einer jungen Dame herangewachsen, die uns jene winzige Episode aus ihrer Vergangenheit anvertraut. Dort lebt sie allein mit ihrem alkoholkranken Vater in einem notdürftigen Container, umgeben von Schrott und ländlicher Einsamkeit.

Schmutzige Sachen: Bad, Küche, Wohnzimmer... na ja, der gesamte Container eben!

Puzzles und Gameplay
Auch hier gilt wieder: Wer Puzzles vermisst, ist auf Steam falsch abgebogen. Das Spielprinzip basiert auf dem Erforschen der Umgebung sowie dem Auslösen von Erzählpassagen. Sobald an einem storyrelevanten Schauplatz die Stimme der Sprecherin ertönt, wurde ein Handlungsfortschritt erzielt. Und wer nicht stur dem eigentlichen Lösungsweg folgen möchte, kann nach den unzähligen, teils gut versteckten Gegenständen Ausschau halten, die uns tiefere Einblicke in die damaligen Lebensverhältnisse der Protagonistin bescheren.

Auch ein Besuch auf dem hiesigen Friedhof wird nicht ausgelassen.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Es scheint, als wäre die Zeit stehen geblieben. So dürfen wir durchgehend beobachten, wie die Sonne eher schüchtern hinter den etwas bedrohlich wirkenden Wolken hervorlugt. Der Autor hat also ein sehr düsteres Szenario entworfen, appelliert durch das einfallende Licht aber dennoch an die Zuversicht. Damit wird deutlich, dass die grafischen Verhältnisse eine gewisse Symbolik mit sich bringen. Die Geräuschkulisse hält sich so subtil, wie man sie an einem Morgen auf dem Lande erwarten würde. Somit entsteht durchaus eine überzeugende Atmosphäre, die allerdings stark von Depressionen beherrscht wird. Die Hintergrundmusik scheint von Trauer und Hoffnung geprägt und vermittelt auf diese Weise ebenfalls ideal die Botschaft der Geschichte. Mir wurde sie jedoch schon bald zu fade und aufdringlich.

Diese Ente fristet ein trauriges Dasein in einer im Gartendreck versunkenen Badewanne.

Fazit
Kürze ist in meinen Augen niemals entscheidend und  häufig wesentlich angenehmer als das extreme Gegenteil. Dies trifft insbesondere bei Erkundungsspielen zu, die sich als Kunst verstehen und oftmals literarischen Pfaden folgen. Ein derartiges Werk sollte sich vermutlich nicht unbedingt an der Spiellänge eines Vollpreistitels orientieren. Auch "Home is Where One Starts" wurde in Form einer interaktiven Kurzgeschichte verwirklicht und lädt den Spieler zu einer melancholischen Reise in die Vergangenheit ein. Dabei fungiert die weibliche Protagonistin zwangsläufig als Identifikationsfigur. Über diese Frau erfahren wir leider recht wenig, abgesehen von ihrer durchaus tragischen Kindheit. So baut das gesamte Spiel auf Erinnerungen auf, die uns durch ausgesprochene Gedanken sowie visuelle Eindrücke nahegebracht werden. Nun konnte "Home is Where One Starts" viele positive Kritiken einheimsen, was sicher auch gerechtfertigt ist. Letztendlich ist es eben eine sehr subjektive Einschätzung. Mich persönlich konnte das Spiel kaum mitreißen, obgleich ich Walking Simulatoren in der Regel wirklich verehre. Natürlich darf sich jeder seine eigene Meinung bilden, zumal der geringe Kaufpreis von 3 Euro keine verlustreiche Investition bedeutet.

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